Gesundheit & Chancengleichheit

Weltgesundheitstag 2021

Dieses Jahr steht der Weltgesundheitstag am 7. April unter dem Motto „Gesundheitliche Chancengleichheit“ bzw. „“Building a fairer, healthier world“. Und das zu Recht! Die Chance auf Gesundheit ist nicht gleichverteilt. Gesundheit ist u.a. von verschiedenen Faktoren abhängig:

Sozialen Faktoren

Diese beeinflussen den Zugang zu und die Teilhabe an gesundheitlichen Angeboten. Zu nennen sind hier insbesondere das Einkommen, die Art der Arbeit, Lebensbedingungen, also auch, weil damit häufig gekoppelt, der Bildungsstand. Aber auch die soziale Isolation spielt eine entscheidende Rolle beim Zugang zu gesundheitlichen Angeboten. Der Zusammenhang ist dabei in allen Altersstufen erkennbar und zieht sich durch alle Lebensphasen.

Um bestimmte Gruppen zu erreichen ist es deswegen notwendig, die Lebenswirklichkeit der Menschen zu kennen und sie auch in ihrem Lebensumfeld anzusprechen. Und mit den Menschen zu sprechen, damit erkannt wird, wie Hürden im Zugang zu Gesundheitsversorgung, Präventionsangeboten und der Gesellschaft abgebaut werden können.

Lebensort

Zum Beispiel ob der Wohnort in der Stadt oder auf dem Land liegt, wo es ggf. eine schlechtere Infrastruktur gibt, weniger (Fach)Ärzte und Ärztinnen gibt usw.. Oder in welchem Land ich lebe. Entwicklungsländer kämpfen mit anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen und mehr als 90% der Bevölkerung haben dort keine Krankenversicherung oder vielfach nicht mal Zugang zu sauberem Wasser.

Globale Vernetzung hilft uns, beim Umgang mit diesen globalen Herausforderungen. Krankheiten kennen keine Grenzen. Das hat uns die Corona-Pandemie mehr als deutlich gemacht. Das gilt aber auch für die weltweite Verbreitung antibiotika-resistenter Keime oder die Zunahme von Diabetes. Vereinigungen die die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, kurz WHO) sind hierfür wertvolle Akteur*innen.

Aber auch in Deutschland gilt es die flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung über das ganze Leben auszubauen. Besonderer Fokus liegt aktuell u.a auf der Stärkung der Pflege. Ein Beruf, der systemrelevanter nicht sein könnte, aber durch schlechte Bezahlung, und schlechte Arbeitsbedingungen, bisher nicht entsprechend anerkannt wird.

Geschlecht

Durch die überwiegende Testung vom Medikamenten oder Erforschung von Krankheiten bei Männern, kann dies für Frauen gravierende Folgen in der Medikamentation oder beim Erkennen einer Erkrankungen haben, z. B. dem Herzinfarkt, der bei der Frau mit völlig anderen Symptomen einher geht wie beim Mann.

Es ist also lebenswichtig für Frauen, hier Ärzte*Ärztinnen und Pflegekräfte differenziert auszubilden. Zum Glück tut sich hier viel in der Pharmazie wie in der medizinischen Ausbildung. Aber noch sind wir auch hier von einer ausgeglichenen Erforschung weit entfernt.

Covid 19 hat der Welt all diese Faktoren in aller Deutlichkeit gezeigt. Die Menschen, die eh schon benachteiligt sind, leiden am stärksten und nationale Grenzen sind quasi nicht vorhanden.

Dass Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen (SDG 3) „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“ könnte nicht aktueller sein. Global vereint müssen wir darauf hin arbeiten. Dieser Tag erinnert uns zum Glück daran!

Noch zwei persönliche Anmerkungen:

Gesundheit ist weder ein universelles Gut noch immer gesichert. Wir können nicht wissen, was uns in unserem Leben erwartet. Aber wir können Rücksicht nehmen und Aufmerksam sein. Rücksicht, damit nicht andere, durch unsere Gedankenlosigkeit vielleicht schwer erkranken. Oder wir auch selber… Das gilt gerade derzeit als eines der wichtigsten und herausfordernden Aufgaben in der Corona-Pandemie: Distanz halten, wo uns körperliche Nähe doch so wichtig wäre. Hier das richtige Maß finden, das sind sicher mit die herausfordernsten Entscheidungen im Moment.

Etwas anderes, was mir ebenso wichtig ist: Gesundheit oder Krankheit ist vielfach „unsichtbar“. Wir wissen oftmals wenig von unseren Mitmenschen bzw. ist mein Leben, mein Körper ja auch sehr privat. Ich möchte über vermeidliche Schwächen oder Einschränkungen also nicht immer reden. Ich weiß also auch von anderen vieles nicht. Muss mein Gegenüber sich evtl. vor jedem Essen Insulin spritzen, weil er*sie eine Diabetes hat? Treibt ein Reizdarm sie*ihn quasi in den Wahnsinn? Ist die Welt manchmal einfach zu viel, weil die Psyche zu belastet oder krank ist? Wir wissen es nicht. Aber ganz sicher ist, niemand sollte alleine mit ihren*seinen Sorgen und Gedanken sein. Empathie, Gesprächsbereitschaft, Selbsthilfegruppen können hier sehr helfen. Also, habt Mut und vertraut Euch anderen an. Und habt Mut und hört zu!

Quellen:

https://www.weltgesundheitstag.de/cms/index.asp?inst=wgt-who&snr=13306&t=2021%A7%A7Gesundheitliche+Chancengleichheit

https://fluter.de/gender-health-gap-kurz-erklaert

https://www.bvpgblog.de/blog/gesundheitliche-chancengleichheit-ist-in-deutschland-ungleich-verteilt/

https://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/kooperationsverbund/hintergruende-daten-materialien/#:~:text=Die%20soziale%20Lage%20hat%20einen,und%20einem%20riskanterem%20Gesundheitsverhalten%20einher

https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/globale-gesundheit-9453.php

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/gesundheit-und-wohlergehen-1509824

Interessantes zum Weiterlesen & Stöbern:

Health Inequalities Portal (EU): https://health-inequalities.eu/

COVID-19-Konjunkturpakete müssen Leben retten, Lebensgrundlagen schützen und die Natur bewahren, um das Risiko künftiger Pandemien zu verringern:  https://ipbes.net/sites/default/files/2020-04/COVID19%20Stimulus%20IPBES%20Guest%20Article_German_0.pdf

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