Geschlechtergerechte Sprache ist keine Ideologie

Nachdem ich heute einen Leserbrief zu „ideologisch überfrachteter Genderpolitik“ in der hiesigen Tageszeitung gelesen habe, möchte ich in Auszügen darauf hier reagieren.

Der Leserbriefschreiber kommentiert dabei Genderpolitik und geschlechtergerechte Sprache als „ideologische Diktion“ und dass „alle Traditionen und sprachlichen Klarheiten einem feministischen Alibi geopfert werden“. Einzelheiten sind in der Oldenburgischen Volkszeitung vom 15.01. nachzulesen.

In Inhalt wie im Ton habe ich den Kommentar als unsachlich und aggressiv wahrgenommen, fern ab von konstruktiver Auseinandersetzung. Aber geht es nicht genau darum?

JETZT Gleichberechtigung realisieren

Unsere Gesellschaft entwickelt sich zum Glück beständig weiter. Und das spiegelt auch unsere Sprache wider. Ich empfinde es als anmaßend, hier von einem „Alibi“ sprechen. Die tatsächliche Realisierung von Gleichberechtigung ist in unserer Gesellschaft notwendig. Jetzt sogar umso mehr, als sonst. Genau in diesen Zeiten, genau jetzt, treten die Ungleichheiten in unserer Gesellschaft mehr zum Vorschein als sonst. Geschlechtergerechte Sprache ist ein Baustein zur Realisierung von Gleichberechtigung, nicht in Konkurrenz zu anderen Maßnahmen, sondern sie ist ein Teil dessen.

Sprache darf nicht ausgrenzen

Unsere Sprache sollte, wie unsere Gesellschaft, inklusiv sein und nicht ausgrenzend. Wie dies möglich sein kann, dafür hat z.B. der Volontär Jan-Christoph Scholz in seiner Kolumne (12.1) in ebendieser Zeitung (Anlass für den Leserbrief) einen guten Diskussionsbeitrag geliefert („#Warum unsere Grammatik gegendert werden sollte“).

Es kann sein, dass sich nicht jede sprachliche Entwicklung für alle „gut anfühlt“. Und dann bleibt zudem ja immer auch wieder die Frage, was kommt zuerst, die entsprechende Rechtschreibreform, die neue Schreibweisen legitimiert, oder gestalten wir hier mit, damit diese Reform das aufgreift, was sich in der Gesellschaft als besten Lösung rausstellt? Wie neue Worte, die durch unseren Gebrauch dann auch im Duden aufgenommen werden. So oder so wäre eine konstruktive Mitgestaltung statt Abwehr und Negierung hilfreich. Eine Suche nach Lösungen. Dabei sollte der Anspruch einer inklusiven Kommunikation leitend sein. Perspektivwechsel und Akzeptanz der Gefühle anderer Menschen sind dafür hilfreich.

Verantwortung übernehmen!

Ich finde, es sollte gerade von Zeitungen der Anspruch sein, eine inklusive Gesellschaft abzubilden, auch durch Sprache. Sowie viele Medien und zum Glück auch die Universität Vechta, als Hochschule in Verantwortung, es heute schon tun.

Geschlechtergerechte Sprache ist keine überfrachtete Ideologie, sondern ist in Form der Aussage, dass niemand aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert werden darf, schon im Grundgesetz verankert. Also, alle ansprechen!

Dieser Beitrag ist in gekürzter Form als Leserinbrief heute an die OV geschickt worden.

Hier noch der Hinweis auf ein Video, in dem die Youtuberin Nanni uns kurz und klar darstellt, warum man gendern sollte:

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